Kinderbetreuung

Hoher Krankenstand, Überlastung, Fachkräftemangel in Kitas: Wie ist die Situation in Alfeld?

Alfeld - Gute Kitas benötigen ausgebildetes Fachpersonal. Doch es wird für die Arbeitgeber immer schwieriger, Erzieher und Erzieherinnen zu bekommen. Wie hart trifft dieses Problem die städtischen Kitas in Alfeld?

Sowohl die eigene Beschäftigung der Kinder mit Basteln oder Malen wird in der Kita gefördert als auch das Spielen mit Gleichaltrigen in der Gruppe. Foto: Chris Gossmann

Alfeld - Überlastung, hoher Krankenstand, zu wenig Mitarbeiter: Der Fachkräftemangel macht auch vor den Kindertagesstätten nicht Halt. Ganz im Gegenteil, er ist besorgniserregend hoch. Die Gewerkschaft Verdi spricht von etwa 20.000 unbesetzten Stellen. Wie sieht die Situation in Alfeld aus, gibt es in den städtischen Kindertagesstätten genügend Mitarbeiter?

„Einen flächendeckenden Versorgungsengpass können wir derzeit nicht feststellen“, sagt Jennifer Holzgreve, Leiterin des Amtes für soziale Angelegenheiten bei der Stadt Alfeld. Sie verweist aber darauf, dass die Stadt Alfeld, wie viele andere Träger von Kindertageseinrichtungen, einen bundesweiten Fachkräftemangel im Kitabereich beobachte. „Schwierige Phasen treten jedoch vereinzelt auf, insbesondere während Krankheitswellen, in denen Betreuungszeiten vorübergehend angepasst werden müssen“, schildert Holzgreve die Situation.

Dauerhaft auf Stellensuche

Ist das ein Grund, warum die Verwaltung auf ihrer Homepage dauerhaft eine Stellensuche nach Erziehern und Erzieherinnen laufen hat? Dort heißt es: „Die Stadt Alfeld sucht für verschiedene Kindertagesstätten zum nächstmöglichen Zeitpunkt Erzieher und Erzieherinnen.“

„Der Personalbedarf unserer Kitas wird in engem Dialog zwischen Kita-Leitung und Träger kontinuierlich beobachtet. Demografische Entwicklungen wie neue Geburtenraten, Übergänge in den Ruhestand und personelle Fluktuationen werden vorausschauend berücksichtigt, damit unsere Einrichtungen auch künftig zuverlässig pädagogisch gut aufgestellt sind“, verdeutlicht Holzgreve.

Hohe Sozialkompetenz

Darum werde großer Wert auf eine möglichst gute personelle Versorgung gelegt. Um das zu erreichen, informiere die Verwaltung zeitnah über offene Stellen – sowohl über Pressekanäle als auch über regionale Jobportale. „Der konkrete Bedarf ist je Einrichtung unterschiedlich und wird regelmäßig neu bewertet, damit wir flexibel reagieren können.“

Und was soll eine Fachkraft für die Alfelder Kitas mitbringen? Eine staatlich anerkannte, abgeschlossene Berufsausbildung zum/zur Erzieherin ist laut Stellengesuch die Grundlage. Erwartet werden Spaß an der Arbeit mit Kindern, eine hohe Sozialkompetenz sowie Einfühlungsvermögen und Gewissenhaftigkeit. Aber auch Zuverlässigkeit, hohe Motivation und selbstständige Arbeitsweise wünscht sich die Alfelder Verwaltung von neuen Mitarbeitern. Diese schien die Verwaltung auch gefunden zu haben: Zwei Neue sollten zum aktuellen Kindergartenjahr anfangen – doch die Freude war zu früh: Eine Person überlegte es sich anders und trat gar nicht erst an, die andere entschied nach einer Woche, dass dieser Beruf doch nicht das Richtige für sie ist.

Große Herausforderung

Doch neue Mitarbeiter zu finden, scheint nicht nur in Alfeld immer wieder eine Herausforderung zu sein, und die Lage bleibt angespannt. „Fachkräftemangel, Krankenstand, Burn-out – die Situation in Deutschlands Kitas ist dramatisch. Und die Belastung steigt weiter“, äußert sich die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle mit Blick auf die „SOS-Kita-Aktion“. Dahinter steckt eine Protest- und Aufklärungskampagne der Gewerkschaft Verdi. Diese soll auf die Personalknappheit und Überlastung in deutschen Kindertagesstätten aufmerksam machen.

Und wie sieht der Stellenplan in Alfeld für die Kitas aus? Ist der Stellenplan so eng gefasst, dass im Krankheitsfall mit einer Schließung einer Kita gerechnet werden muss? „Unser Stellenplan ist darauf ausgelegt, Krankheitsfälle durch passende Vertretungskräfte zu überbrücken. Trotzdem zeigen sich in den kalten Jahreszeiten Krankheitswellen, bei denen der beste Personalschlüssel allein nicht alle Ausfälle kompensieren kann“, fasst Holzgreve zusammen. In solchen Fällen könne es zu vorübergehenden Kürzungen der Betreuungszeiten kommen. Die Amtsleiterin versichert: „Wir arbeiten kontinuierlich an einer verlässlichen Personalplanung, um Ausfällen möglichst frühzeitig entgegenzuwirken und die Versorgung zuverlässig zu gewährleisten.“

Hier ein Blick auf die Kindertageseinrichtungen in kommunaler Trägerschaft der Stadt Alfeld.

Kita Gabelsbergerstraße:

97 Plätze (82 Kita-Plätze, 15 Krippenplätze), betreut durch ein 19-köpfiges Team aus Teil- und Vollzeitkräften.

Kita Hörsumer Eulennest:

65 Plätze (50 Kita-Plätze, 15 Krippenplätze), zwölfköpfiges Team aus Teil- und Vollzeitkräften.

Kita Lützowstraße:

25 Kita-Plätze, vierköpfiges Team aus Teil- und Vollzeitkräften.

Kita Nordstraße:

64 Plätze (37 Kita-Plätze, 27 Krippenplätze), 18-köpfiges Team aus Teil- und Vollzeitkräften.

Kita Schlesische Straße:

75 Kita-Plätze, zwölfköpfiges Team aus Teil- und Vollzeitkräften.

Kita Tonkuhlenpiraten Gerzen:

25 Kita-Plätze, vierköpfiges Team aus Teil- und Vollzeitkräften.

Großtagespflegestelle Glückskäfer:

Zehn Plätze für unter Dreijährige, dreiköpfiges Team aus Teil- und Vollzeitkräften.

Kita Vormasch:

91 Kta-Plätze, 18 pädagogische Fachkräfte in Teil- und Vollzeit.

Eine Rückmeldung aus der evangelischen Kindertagesstätte St. Nicolai am Eimser Weg, lag bis zur Veröffentlichung noch nicht vor.

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