Alfeld/Lamspringe - Seit Jahren schon klagen Apotheken bundesweit über stetig steigende Kosten bei gleichbleibenden oder gar sinkenden Einnahmen. Die Folge: Eine Apotheke schließt nach der anderen. Das sogenannte Apothekensterben scheint nun auch die Bundespolitik ernsthaft zu beschäftigen, zumindest verhandeln CDU/CSU und SPD seit Ende vergangenen Jahres über ein neues Gesetz, das die Trendwende bringen soll. Und dieses geplante Gesetz, sagt die Alfelder Apothekeninhaberin Nicole Behrens, sei eine echte Möglichkeit, das Apothekensterben zu stoppen – so sich denn die Koalition tatsächlich darauf einig.
Um zu unterstreichen, wie prekär die Lage für die Apotheken mittlerweile sei, luden sie und ihr Ehemann Andreas Behrens am Mittwoch den CDU-Bundestagsabgeordneten Tilman Kuban zur Lamme-Apotheke in Lamspringe ein. Denn die Liste der Probleme, mit der sich ihre Zunft konfrontiert sieht, ist laut Nicole Behrens lang – und sollte daher auf Bundesebene angegangen werden. Das größte Problem sehe sie im sogenannten Fixum, also dem Betrag, den eine Apotheke pro verkauftem verschreibungspflichtigen Präparat verdient.
„Alle laufen an der Substanz“
Dieser Betrag ist gesetzlich auf 8,35 Euro festgeschrieben, von denen wiederum 1,77 Euro an die Krankenkassen gingen. Für Behrens ist klar: Das reicht bei Weitem nicht mehr, um eine Apotheke am Leben zu erhalten, gerade keine vergleichsweise kleine im ländlichen Raum. Schließlich ächzten alle Unternehmen unter kontinuierlich steigenden Kosten, beispielsweise für Löhne und Energie. Auch ihr eigener Betrieb, der sich aus der 7-Berge-Apotheke und der Nord-Apotheke in Alfeld sowie der Lamme-Apotheke in Lamspringe zusammensetzt, sei seit vergangenem Jahr im Minus. „Es bleibt nichts mehr übrig“, so die Geschäftsfrau. Die Stimmung unter ihren Kolleginnen und Kollegen landesweit sei teils katastrophal, und das nicht erst seit 2025: „Alle laufen an der Substanz.“
Das Problem sei nun aber auch im Bundestag angekommen, beteuert Kuban, der der Bundes-CDU im Landkreis Hildesheim mangels eigener hiesiger Abgeordneter ein Gesicht geben will. Die geplante Reform – im besten Politikdeutsch Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz genannt – solle künftig auch auf das Fixum abzielen. Der feste Betrag müsse steigen, diese Einstellung sei mittlerweile im Bundestag parteiübergreifend vorhanden: „Das Fixum ist fest, aber die Löhne sind gestiegen. Das kann so nicht weitergehen.“ Auf welchen Wert sich die Regierung festlegen wolle, könne er momentan aber noch nicht sagen. Dies sei noch Verhandlungsmasse zwischen den Koalitionspartnern.
Thema solle auch die Kommunalpolitik beschäftigen
Für Behrens sei es trotzdem ein gutes Zeichen zu wissen, dass diese Baustelle angegangen werden soll – schließlich fordern Apothekerverbände bereits seit Jahren, das Fixum zu erhöhen. Doch erst jetzt zeige sich echter Wille der Politik, etwas zu ändern. „Apotheken haben eine schlechte Lobby“, meint sie dazu. Sollte sich aber die Regierung doch zu einer Erhöhung durchringen, stoppe das ihrer Meinung nach klar den Rückgang der Apotheken. Allzu viel Zeit dürfe die Koalition aber nicht mehr verlieren: „Das muss noch 2026 kommen.“ Soll es auch, sagt Kuban – er rechne mit einer Verabschiedung in der ersten Jahreshälfte.
Andreas Behrens, der im September für die CDU bei der Alfelder Bürgermeisterwahl antritt, betont derweil, dass das Thema nicht nur auf Bundesebene angegangen werden müsse. „Man hat das gerade in der Corona-Zeit gesehen, wie wichtig die Apotheken sind.“ Daher sei für den Bürgermeisterkandidaten klar: „Das ist auch ein Thema für die Kommunalpolitik.“ Es könne schließlich niemand wollen, dass die Apotheken den ländlichen Raum verlassen. Oder den städtischen: In Alfeld gebe es schließlich auch nur noch sechs davon.
