Alfeld - „Multifunktional“ – wie oft sie während der Einrichtung des Kultur- und Begegnungszentrums (Kuba) dieses Wort gehört habe, das weiß Jennifer Holzgreve gar nicht mehr so richtig. Dabei schwört die Leiterin des Amts für Soziale Angelegenheiten der Stadt Alfeld geradezu auf die vielen Kniffe, mit denen sich im Gebäude an der Regale verschieben, Tische in Theken verwandeln oder Räume mit Zeitschaltfunktion auf- und zusperren lassen.
Und tatsächlich: Ein Jahr nach Eröffnung merkt man dem Kuba deutlich an, dass das Gebäude gemeinsam mit den künftigen Nutzerinnen und Nutzern konzipiert wurde – und nicht am Reißbrett entstanden ist. Multifunktional eben. Klar, dass das Herzblut jedoch nicht von der praktischen Einrichtung allein ausgeht. „Im Kuba treffen Ehrenamt, Kultur und Begegnung aufeinander“, macht Jugendpfleger Aaron Voß deutlich. Heißt: Hier kreuzen sich eine Menge Ströme, nicht nur in Sachen offener Jugendarbeit. „Ein magischer Ort“, nennt es Holzgreve. Und den gibt’s schon ein ganzes Jahr lang. Was das Kuba ausmacht? Zunächst der Rahmen.
Im Kuba gehen wöchentlich Menschen zwischen 6 und 27 Jahren ein und aus. Geleitet wird das Begegnungszentrum von Voß und seinem Kollegen Jens Klaus, ebenfalls Jugendpfleger. Viermal in der Woche ist geöffnet, regelmäßig gibt es einen Sporttreff, einen offenen Austausch für und mit queeren Menschen, niedrigschwellige Kurse, in denen man alltägliche Dinge lernt, etwa das Fahrradreparieren oder einfache Kochgerichte, in einem Kurs machen junge Menschen ältere Menschen fit in Sachen Computer und Smartphone.
Queerer Treff, Reparierkurse und Nachhilfe für Smartphone und Computer
Und es gibt jede Menge Musik. „Die Musikkultur ist fester Bestandteil des Kuba“, sagt Holzgreve, die als Jugendpflegerin einst das Jugendzentrum „Treff“ leitete, aus dem später das Kuba werden sollte. Einmal im Monat – ausgenommen in den Sommerferien – lädt die „Alfeld rockt“-Konzertreihe zu Musik von Alternative über Hardcore bis Indie. Wobei in Sachen Genres so ziemlich alles möglich sei, sagt Jugendpfleger Klaus. „Man kann uns jederzeit neue Impulse geben.“
Alfeld rockt seit 2003
Grundsätzlich sei die Konzertreihe, die 2003 ins Leben gerufen wurde und vom Stadtjugendring Alfeld in Zusammenarbeit mit der Alfelder Jugendpflege veranstaltet wird, auch eine Möglichkeit, der einstigen lebendigen Alfelder Musikszene wieder frisches Leben einzuhauchen. „Früher gab es mal 20 Bands in Alfeld und der Region, das würden wir gerne wieder haben“, sagt Holzgreve. Gäbe es keine Bühne, gäbe es auch keine neuen Bands, ist sie überzeugt. „Wir haben das Know-how, die Technik und die Leute – darauf kann man gut aufbauen.“ Und die Bands sollen sich wohlfühlen: Kurz: Wer jemals in einem versifften Backstagebereich gesessen hat, der weiß den gemütlichen Aufenthaltsbereich und die bequemen Schlafmöglichkeiten im Kuba zu schätzen.
„Wir haben das Know-how, die Technik und die Leute“
Doch auch neben den Konzerten gibt’s im Kuba eine mehr als bunte Tüte an Angeboten und Veranstaltungen. So dienen die Räume regelmäßig als Treffpunkt für Planungen, Besprechungen und Abstimmungen. Unter anderem finden hier Sitzungen und Vorbereitungstreffen zu Veranstaltungen wie dem Weltkindertag und Leitungstreffen der städtischen Kitas statt. Für knapp zehn Initiativen ist das Kuba inzwischen zum Basislager geworden, neben „Alfeld rockt“ sind dort unter anderem das Explore Sciencenter, der Alfelder Theaterverein, die Kinder- und Jugendgruppe des Tierschutzvereins oder das Data Network Alfeld beheimatet. Künftig soll im Kuba auch der Beratungsverein Wildrose unterkommen.
Eine bunte Tüte an Angeboten und Veranstaltungen
Um diese große Fülle an Veranstaltungen und Initiativen koordinieren zu können, bekommen die beiden hauptamtlichen Jugendpfleger ordentlich Unterstützung aus dem üppigen Netzwerk an Ehrenamtlichen. Ohne diese Zusammenarbeit von Stadtjugendring und Jugendpflege sei die Arbeit nicht zu schaffen, sagt Holzgreve. Es komme auf die Symbiose von beiden an. „Man muss gut miteinander funktionieren. Das kriegen wir seit 40 Jahren gut hin und darauf sind wir auch stolz.“
Symbiose von Haupt- und Ehrenamt
Nach einem Jahr voller Großevents sind die Planungen für 2026 bereits in vollem Gange. Unter anderem feiert die Alex Mofa Gang Mitte Mai ihr zehnjähriges Bestehen im Kuba – die Band, die inzwischen auf Festivals wie dem Hurricane oder Highfield spielt, hat sich vor zehn Jahren im Alfelder „Treff“ gegründet. Am 31. Mai findet das Sportevent „Alfeld Sports“ statt, beim Alfelder Stadtfest ist erneut die „Spielstraße“ dabei. Daneben gibt es wieder mehrere Partys, etwa die School-Out-Party oder eine Halloween-Party im Herbst. Auch ist das Kuba wieder an den Aktionen des Ferienpasses beteiligt.
„Es brodelt hier, ganz im positiven Sinn“, sagt Holzgreve und zeigt beim Rundgang durch das Kuba auf einen Tisch in der Küche. Der lässt sich mit einem Handdreh zu einer Partytheke verwandeln. Multifunktional eben.
