Anfrage im Kreistag

Neue offizielle Daten zum Rettungsdienst im Landkreis Hildesheim: Im Raum Alfeld dauerte es am häufigsten zu lange

Alfeld / Kreis Hildesheim - Die Neuorganisation des Rettungsdienstes soll im Landkreis Hildesheim ab Juli gelten. Die Defizite der Vergangenheit spielen bei Kritikern weiterhin eine große Rolle. Nun gibt es neue offizielle Daten zu den Eintreffzeiten der Rettungswagen – und die sind für den Bereich der Alfelder Rettungswache am schlechtesten.

Ein Rettungswagen auf dem Weg zu einem Einsatz. Foto: Chris Gossmann

Alfeld / Kreis Hildesheim - Die Vorgabe, dass der Rettungsdienst im Notfall innerhalb von 15 Minuten bei dem Patienten oder der Patientin sein soll, wurde besonders oft in den Bereichen der Rettungswachen Alfeld und Bockenem überschritten, nämlich jeweils in 17,1 Prozent der Einsätze, im Einzugsgebiet der Sehlemer Wache in 16,7 Prozent. Die Werte für die drei anderen Rettungswachen außerhalb der Stadt Hildesheim: Schellerten 12,3 Prozent, Gronau 10,5 und Sarstedt 10,2 Prozent.

20.000 Datensätze ausgewertet

Die Zahlen gehen aus der Antwort der Kreisverwaltung auf eine Anfrage der CDU-Kreistagsfraktion hervor, sie beziehen sich auf das Jahr 2024. Offizielle Daten zu den Eintreffzeiten lagen bisher für einzelne Teile des Kreisgebietes nicht vor, nur für den gesamten Landkreis Hildesheim. Für die Beantwortung der Anfrage wurden laut Verwaltung in den vergangenen Monaten 20.000 Datensätze der Rettungsleitstelle ausgewertet. Aufsehen hatten vor einem halben Jahr vertrauliche Zahlen erregt, die eigentlich nicht veröffentlicht werden sollten. Nach ihnen unterschieden sich die Hilfsfristen in den einzelnen Kommunen stark.

Die Verwaltung schlüsselt in ihrer aktuellen Antwort nun auch auf, um wie viele Minuten die Hilfsfrist im Jahr 2024 überschritten wurde. Diese Daten werden zusammengefasst für alle sechs oben genannten Rettungswachen genannt: Bei 1101 Notfalleinsätzen dauerte das Eintreffen bis zu fünf Minuten zu lange, in 152 Fällen bis zu zehn Minuten, bei 41 Einsätzen bis zu 15 Minuten und in 43 Fällen mehr als 15 Minuten zu lange – insgesamt wurde die vorgegebene Zeit von 15 Minuten also in 1337 Fällen nicht eingehalten.

Geht die Rechnung auf?

Die Zahlen aus der Vergangenheit sind für die CDU und andere Kritiker noch relevant, weil sie angesichts der offenbarten Defizite bezweifeln, dass der Rettungsdienst die Fristen künftig besser einhält. Die Weichen für die künftige Organisation des Rettungsdienstes im Landkreis Hildesheim sind wie berichtet gestellt: Im Juli soll ein neues Konzept starten, die Einsatzdaten sollen regelmäßig ausgewertet und Defizite kurzfristig ausgeglichen werden. Während die Kreisverwaltung und die rot-grün geführte Mehrheitsgruppe des Kreistages von dem Konzept überzeugt sind, bleiben andere Fraktionen, allen voran die CDU, und die als Verein formierte AG Rettungsdienst skeptisch. Zur Erinnerung: Der Kern der Veränderung ist eine Reduzierung der Rettungswagen, die mit hochqualifizierten Notfallsanitätern besetzt sind – die verbliebenen sollen dafür von allen Einsätzen entbunden werden, die keine Notfälle sind, was bisher rund 39 Prozent aller Fahrten ausmachte. Sie sollen von Krankenwagen mit weniger qualifiziertem Personal übernommen werden.

Dass diese Rechnung aufgehen wird, bezweifeln die Kritiker immer wieder mit dem Hinweis auf die nicht eingehaltenen Hilfsfristen des Rettungsdienstes in der Vergangenheit. Kreisverwaltung und die Mehrheitsgruppe appellieren indessen immer wieder, nach vorn zu schauen und dem neuen System eine Chance zu geben. Das sei schon in fast allen anderen niedersächsischen Landkreisen im Einsatz – allerdings, so das Gegenargument der AG, mit einem höheren Anteil von Rettungswagen im Gesamtsystem.

  • LeineBL
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