Alfeld - Die Tage werden wieder länger, das Wetter wird besser – Gründe genug, um die Laufschuhe wieder oder erstmalig zu schnüren. Fürs Joggen braucht man nicht viel Ausrüstung, bequeme Schuhe, atmungsaktive Kleidung und schon kann es losgehen – die passende Laufroute vorausgesetzt. In und um Alfeld haben Sportbegeisterte viele Möglichkeiten für eine Runde im Grünen. Sowohl Laufneulinge als auch passionierte Freizeitsportler finden hier die richtige Strecke – mal kurz und flach, mal länger und mit einigen Höhenmetern, die es zu überwinden gilt.
Die Devise: langsam starten
Thomas Knackstedt kennt viele von ihnen. Er ist Ultraläufer und macht in Delligsen seit Jahren Läuferinnen und Läufer fit für ihren Wettkampf. Unter anderem trainiert er Sabine Weisig vom Delligser Lauftreff, die eine Einladung für den Marathon in New York erhalten hat. Laufen sei für ihn „die schönste Nebensache der Welt“, sagt der 64-Jährige. Zu der könne es aber nur mit dem richtigen Training werden. Viele Menschen würden zu schnell loslaufen, das treffe insbesondere auf Männer zu. „Wenn die ein Training beenden und nicht unter ein Sauerstoffzelt müssen, dann war es für sie kein gutes Training“, berichtet Knackstedt. Wenn man für einen Wettkampf trainiere, sei es wichtig, in 85 Prozent der Fälle langsamer zu laufen als im Wettkampf. „Die meisten Marathonläufer werden in der zweiten Hälfte deutlich langsamer. Ziel sollte aber sein, die zweite Hälfte im selben Tempo zu laufen oder sogar noch etwas schneller zu werden. Man trainiert daher eigentlich nicht für die 42 Kilometer, sondern für die letzten zwölf“.
Und auch wer keinen Wettkampf laufen möchte, solle geduldig sein. „Wenn man will, kann man alles schaffen“, ist Knackstedt überzeugt. Und: Freizeitsportlerinnen und -sportler sollten wieder lernen, auf ihren Körper zu hören und nicht auf das, was die Uhr am Handgelenk sagt. „Viele Läufer können dir die GPS, ihren Kalorienverbrauch oder ihren Puls nennen, haben aber kein Gefühl für Geschwindigkeiten“, kritisiert Knackstedt. Von teurem Equipment und auch von Nahrungsergänzungsmitteln hält Knackstedt deshalb wenig. „Die letzten paar Prozent kann man damit noch rausholen. Das meiste kommt aber durchs Training.“ Heißt: Wer ehrgeizige Ziele verfolgt, muss sich anstrengen und Zeit investieren. Wer in diesem Frühjahr erstmals oder wieder die Laufschuhe schnüren möchte, kann das im Leinebergland auf drei Touren tun, die Thomas Knackstedt zusammengestellt hat.
Route 1: Kurzstrecke durch die Leinewiesen
Eine Kurzstrecke für Laufneulinge führt durch die Leinewiesen. Start und Ende ist am Hindenburg-Stadion. Von da geht es über Asphalt die Ziegelmasch entlang in Richtung Kaiserhof und dann nach links in den Auenpark auf einen Schotterweg. Der führt am Ende dann weg von der Leine auf einen Grasweg am Leineufer. Dann geht es weiter nach Föhrste und dort nach links ein kurzes Stück in Richtung Röllinghausen. Wieder links führt dann ein asphaltierter Weg durch die Leinewiesen zurück in Richtung Stadion. „Die Strecke ist circa 4,8 Kilometer lang, absolut flach und für Anfänger sehr gut geeignet“, erklärt Thomas Knackstedt.
Route 2: Von Eimsen nach Alfeld
Wer schon etwas geübter ist, kann die Strecke auch verlängern. Start ist dann am Alten Wasserwerk in Eimsen. Von dort geht es auf geraden Asphaltstraßen über die Leinebrücke zwischen Wettensen und Godenau und dann an der Bahnlinie an Limmer und Limmerburg vorbei. In der Ferne ragt dann schon der Sappi-Schornstein auf, dem man sich mit jedem Schritt nähert. Der Weg führt immer geradeaus bis zum Hackelmasch-Parkplatz und dann über die Leinebrücke in den Auenpark. Der bildet die Schlussetappe des Laufs von etwa 8 Kilometern, Ziel ist am Hindenburg-Stadion.
Route 3: Langstrecke im Hils
Wer die sportliche Herausforderung sucht, dem empfiehlt Thomas Knackstedt die Langstrecke im Hils. Start ist am Von-Langen-Platz an der L 484 in Richtung Gerzen. Dort geht es 7,8 Kilometer auf einem Schotterweg zum Roten Fuchs. Der Weg ist beschildert. Es geht insgesamt 100 Höhenmeter nach oben. „Die merkt man jedoch kaum, da der Weg auf der gesamten Strecke nur leicht ansteigt“, betont Knackstedt. Am Roten Fuchs angekommen biegt man rechts ab und folgt der Beschilderung zum Raabeturm.
Hier geht es jetzt, ebenfalls auf Schotter, 1,4 Kilometer sehr steil bergauf. Danach befinden sich die Läuferinnen und Läufer direkt auf dem Hilskamm. Vom Raabeturm aus geht es weiter zur höchsten Erhebung des Hils, der 480 Meter Hohen Bloßen Zelle. Von dort geht der Weg Richtung Grünenplan bergab, mit zwei Gegenanstiegen. Auf dem Kammweg passiert man die Feuerschneisenhütte, der Weg führt dann weiter zum Von-Langen-Platz, wo die Tour endet. „Der Hilskammweg vom Roten Fuchs zum Von Langen Platz ist einer der schönsten Landschaftswege, die wir in der gesamten Region zu bieten haben. Die Aussicht belohnt für alle Anstrengungen. Für Läufer ist er jedoch anspruchsvoll. Untrainierte sollten sich hier nicht zu viel zumuten oder einige Passagen lieber gehen als laufen“, so Thomas Knackstedt.
Tipp: Auf den Körper hören
Und nach dem Lauf? Bei längeren Etappen sind Dehnübungen ratsam, außerdem sollten Sportlerinnen und Sportler natürlich genug trinken. Und: Sensibel mit dem eigenen Körper umgehen. „Wenn der Körper sich meldet und einem irgendwas mitteilen will, sollte man ihm zuhören“, rät Thomas Knackstedt. Das heißt: Wenn es im Knie zwickt oder der Fuß schmerzt, sind eine Trainingspause und gegebenenfalls ein Arztbesuch angeraten. Knackstedt bringt es auf den Punkt: „Entweder du beherrscht das Laufen – oder das Laufen beherrscht dich.“


