Artgerechte Unterbringung

Vertrag gekündigt: Flecken Delligsen sucht neue Station für Fundtiere

Delligsen - Ausgesetzte Katzen und Hunde aber auch verletzte Wildtiere landen erst einmal in einer Auffangstation. Doch die geht dem Flecken Delligsen gerade verloren.

Bei Fundtieren handelt es sich vorrangig um Katzen. Das außergewöhnlichste Tier, das in Delligsen abgegeben wurde, war eine Kornnatter. Foto: Uwe Stache

Delligsen - Der Flecken Delligsen braucht eine neue Auffangstation für Fundtiere. Über mehrere Jahre hatte die Delligser Tierärztin Dr. Susanne Lorberg diese öffentliche Aufgabe der Gemeinde übernommen. Über ihren Praxisräumen bestehen Unterbringungsmöglichkeiten für Haustiere. Doch so langsam, sagt sie, wolle sie sich auf den Ruhestand vorbereiten und Aufgaben abgeben. Deshalb hat Lorberg den Fundtiervertrag mit der Gemeindeverwaltung zum 31. Dezember gekündigt. Wer kann nun diese Leistung mit Beginn des Jahres 2026 übernehmen?

Tierheim Holzminden würde 20.000 Euro im Jahr kosten

Da wäre etwa das Tierheim Holzminden/Höxter eine Option. Doch die veranschlagten Kosten von knapp 20.000 Euro pro Jahr würden deutlich über dem Betrag liegen, der bislang gezahlt wurde. Die Delligser Verwaltung hat deshalb nach anderen Lösungsmöglichkeiten gesucht, heißt es in einer Beschlussvorlage, die den Mitgliedern des Ordnungsausschusses vorliegt. In dem Papier ist auch festgehalten, dass der Tierschutzverein Alfeld ebenfalls bereit ist, einen Fundtiervertrag mit dem Flecken Delligsen abzuschließen.

Umsonst wäre die Leistung freilich auch dort nicht, aber deutlich kostengünstiger als die Variante Tierheim Holzminden. Die Kosten würden pro Fundtier bei 20 Euro am Tag liegen, zu zahlen längstens für 28 Tage. Wie viele Fundtiere werden denn so im Jahr abgegeben? „So drei bis vier“, sagt Susanne Lorberg. Die Verwaltung geht in ihrer Vorlage von fünf Fundtieren aus und errechnet Kosten in Höhe von 2800 Euro im Jahr. Etwaige Tierarztkosten simuliert dazu addiert, würde der Flecken rund 5000 Euro im Jahr zahlen müssen. Für die Verwaltung ein gangbarer Weg. Deshalb schlägt sie ihn der Politik vor.

Viele Einwohner des Fleckens wenden sich bereits an Alfeld

Ein Entwurf für einen Fundtiervertrag liegt bereits zur Unterschrift für den Tierschutzverein Alfeld vor. „Ja, man hat uns angesprochen, ob wir dazu bereit wären. Und das sind wir“, sagt die Erste Vorsitzende Christine Rostock auf Nachfrage. Etliche Einwohner des Fleckens würden sich sowieso schon seit längerer Zeit an den Alfelder Verein wenden, wenn sie Tiere finden. „Aktuell haben wir zehn Katzenwelpen aus Delligsen aufgenommen“, berichtet Rostock.

Sie will der Form halber die Stadt Alfeld vom Vertragsangebot informieren – und sie hebt hervor, dass die Sache noch nicht durch ist. Denn das letzte Wort hat der Delligser Gemeinderat, der wieder am 30. September tagt. „Für uns kann ich sagen: Tierschutz ist unsere originäre Aufgabe und wir wollen ja helfen. Ich denke, das wird uns nicht überfordern“, so Rostock.

Die meisten Fundtiere sind Hunde und Katzen

Wie die Delligser Tierärztin Susanne Lorberg sagt, sind es vor allem entlaufende Hunde und mutmaßlich streunende beziehungsweise herrenlose Katzen, die als Fundtiere bei ihr landen. „Das hält sich in etwa die Waage“, erklärt sie. Rostock verweist vor allem auf Katzen, die als Fundtiere abgegeben werden. Hin und wieder sei es auch ein Hund. Doch in der Regel melde sich dessen Besitzer schnell. Gezielt ausgesetzte Hunde seien in der Alfelder Region die Ausnahme. „Das ist in größeren Städten anders“, schätzt die Tierschützerin ein.

Wenn Fundtiere nicht von ihren Besitzern abgeholt werden, was geschieht dann mit ihnen? „Dann setzen wir alles daran, sie in gute Hände zu vermitteln“, versichert Rostock. Bei dieser Gelegenheit begrüßt sie, dass sich der Flecken Delligsen schon vor Jahren eine Katzenschutzverordnung inklusive Kastrationspflicht gegeben hat. Die Leute müssten also wissen, dass sie ihre Tiere kastrieren müssen. Erfahrungsgemäß richten sich nicht alle Katzenbesitzer danach. In der Folge landen immer wieder aufgefundene und vielleicht auch bewusst ausgesetzte Katzen in der Auffangstation.

  • LeineBL
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