Gronau - Im ehemaligen Klärwärterhaus in Gronau ist gerade frisch renoviert worden. Eigentlich wollten die Mitglieder des Gronauer Tierschutzvereins Vergessene Tierherzen Sieben Berge hier ihre Fundtiere versorgen. Den Mietvertrag mit der Samtgemeinde Leinebergland hatten sie bereits unterschrieben. Nur das Veterinäramt musste der Nutzung noch zustimmen. Doch ein wichtiges Bauprojekt verhindert das. Vereinsvorsitzende Ana Roth verrät, ob die Tierfundstelle nun vor dem Aus steht.
Garagen reichen nicht als Fundtierstelle
Der Gronauer Tierschutzverein hat es sich seit 2017 zur Hauptaufgabe gemacht, streunende Katzen zu kastrieren und zu vermitteln – aber auch andere Fundtiere wie Hunde oder Vögel werden aufgenommen. Von der Samtgemeinde wurden ihnen für die Unterbringung der Tiere zwei umgebaute Garagen neben dem Klärwerk zur Verfügung gestellt. Doch schnell wurde klar: Ohne Heizung und Wasseranschluss funktioniert eine Fundtierstelle in den Garagen auf Dauer nicht.
Also zogen die Hunde und Katzen Ende 2024 in Pflegestellen. Seitdem werden die Fundtiere bei Vereinsmitgliedern zu Hause betreut und auf die Vermittlung vorbereitet. Damit sie die Tiere nicht länger privat aufnehmen müssen, haben die Vereinsmitglieder seit Mai das ehemalige Klärwärterhaus von der Samtgemeinde kostenlos angemietet. Das Haus sollte nach Einwilligung des Veterinäramts zukünftig als Fundstelle und für Vereinsarbeiten genutzt werden.
Größtes Bauprojekt der nächsten zehn Jahre
Und weil Roth vom Veterinäramt mitgeteilt bekommen habe, dass der Bewilligung eigentlich nichts entgegenstehe, begannen die Mitglieder bereits vor dem offiziellen Schreiben mit der Renovierung. Für mehrere Hundert Euro haben sie Wände verputzt und Tapeten geklebt. Der Schreckmoment kam für Roth vor wenigen Wochen, als das Bauamt des Landkreises Hildesheim die Nutzung untersagte – und das Veterinäramt deshalb doch nicht zustimmte. Der Grund: Das Klärwerk auf dessen Gelände auch das Klärwärterhaus steht, muss ausgebaut werden. Die Klärbecken müssen an EU-Vorgaben angepasst werden und längst überfällige Notstromaggregate für die Anlage aufgestellt werden. „Wir machen das nicht aus Spaß, wir müssen jetzt dringend Auflagen erfüllen, sonst setzt uns die Aufsichtsbehörde weiter unter Druck“, schildert Samtgemeindebürgermeister Volker Senftleben (SPD).
Laut Senftleben wird es das größte Bauprojekt in der Samtgemeinde für die kommenden zehn Jahre werden. Doch bis die Arbeiten beginnen, dürften die Vereinsmitglieder das Gebäude bis Ende 2026 zumindest weiterhin für ihre Vereinsarbeit und als Lager nutzen – nur eben nicht als Fundtierstelle.
Die Tiere bleiben erstmal in den Pflegestellen
Die Option der Klärwerkserweiterung stand schon immer im Raum: „Zur Wahrheit gehört, dass es eine Vermietung auf Zeit war. Der Verein wusste, dass, wenn das Klärwerk erweitert wird, er ausziehen muss“, sagt Stephanie Klages, Fachbereichsleiterin für Sicherheit und Ordnung in der Samtgemeinde. Ein alternatives Gebäude könne die Samtgemeinde laut Senftleben derzeit nicht stellen. Die Verwaltung halte die Augen aber weiterhin offen.
Für die Tiere ändert sich erst einmal nichts: „Die 16 Katzen und der Hund bleiben weiterhin in den privaten Pflegestellen und werden von dort aus vermittelt“, stellt Roth klar. „Doch den Fundtiervertrag mit der Samtgemeinde werden wir kündigen müssen, weil wir die Aufnahmen jetzt nicht mehr garantieren können“, gibt die Vereinsvorsitzende zu. Und das hat auch Konsequenzen für die Samtgemeinde. Denn: Es gehört zur Aufgabe einer Kommune, die Unterbringung von Fundtieren zu gewährleisten – weshalb 2019 ein Fundtiervertrag mit dem Gronauer Verein geschlossen wurde. Sollte dieser wirklich gekündigt werden, wolle die Samtgemeinde laut Klages bei den Nachbarkommunen anfragen, ob es dort geeignete Fundtierstellen gibt.
Günstige Miete und viel Platz werden gesucht
Um die Fundtiere doch wieder aufnehmen zu dürfen, machen sich Roth und ihre Mitstreiter auf die Suche nach einem neuen Gebäude. Doch das sei schwierig: „Wir brauchen ein Zimmer für eine Quarantänestation, einen Raum für kranke Tiere, einen Raum für vermittlungsfertige Tiere, Lagerräume, und ein Wasseranschluss wäre auch gut“, sagt Roth. Ein Gebäude in der Größe zu finden, sei aber weniger das Problem, als die Miete. „Als Verein können wir uns nicht mal eine Miete von 500 Euro im Monat leisten“, bedauert Roth. Daher rufen die Vereinsmitglieder auf, dass sich alle Einwohnenden der Samtgemeinde mit einem kostengünstigen und geeigneten Gebäude telefonisch unter 05182 / 9 24 16 09 bei ihnen melden können.

