Kreis Hildesheim - Der zuständige Fachausschuss des Kreistags hat am Donnerstag mit den Stimmen der Mehrheitsgruppe die Neuaufstellung des Rettungsdienstbedarfsplans für den Landkreis Hildesheim empfohlen. Zuvor debattierten die Politikerinnen und Politiker mehr als eine Stunde lang über das Thema. Am Montag wird der nicht öffentlich tagende Kreisausschuss über das Thema beschließen. Die Zustimmung gilt als sicher.
In einem ursprünglichen Entwurf hatte ein Gutachter den Rettungsdienstbereich Delligsen im Landkreis Holzminden vergessen, der vom Hildesheimer Rettungsdienst mitversorgt wird. Der Gutachter hatte daher nachgebessert und stellte die veränderten Zahlen in der Sitzung am Donnerstag vor. Der neue Bedarfsplan sieht vor, dass in der Rettungswache Alfeld wieder drei Rettungswagen stationiert werden, einer mehr als nach dem Plan im ersten Entwurf.
Insgesamt weniger Rettungswagen
Allerdings bedeutet das lediglich den Status quo. Vertreter der von Beschäftigen des Rettungsdienstes gegründeten Arbeitsgemeinschaft Rettungsdienst wiesen darauf hin, dass die Zahl der Personalstunden der Rettungswagen insgesamt reduziert wird. Das gilt auch für den dritten Rettungswagen in Alfeld, der künftig nur noch 52 statt 88 Stunden wöchentlich zur Verfügung stehe.
Die Erste Kreisrätin Evelin Wißmann betonte hingegen, dass die Zahl der Stunden insgesamt um 200 erhöht werde. Dazu gehören allerdings auch Kapazitäten für Krankentransporte. Zurück geht hingegen die Zahl der Wochenstunden der Rettungswagen. Es gehe keinesfalls darum, die Kapazitäten „auf Kosten der Bürger“ zu verringern: „Das ist nicht der Fall.“
CDU beantragte Vertagung
Die CDU-Fraktion hatte beantragt, eine Entscheidung erneut zu vertagen. Fraktionschef Friedhelm Prior verwies darauf, dass seiner Fraktion von der Verwaltung angefragte Daten immer noch nicht zur Verfügung gestellt worden seien.
Martin Hauk (SPD) mahnte hingegen für die Mehrheitsgruppe zur Eile. Das Vergabeverfahren für den neuen Bedarfsplan, der ab dem zweiten Halbjahr 2026 gelten soll, müsse vorbereitet werden. „Da kommen wir irgendwann wieder in Zeitnot“, sagte Hauk.
Verstoß gegen gesetzliche Vorschriften?
Nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft Rettungsdienst würde der Landkreis mit dem neuen Bedarfsplan „wissentlich“ gegen die gesetzlichen Vorschriften verstoßen. „Die Bevölkerung, vor allem im ländlich geprägten Raum, wird von einer professionellen, notfallmedizinisch angemessen Versorgung ausgeschlossen“, heißt es in einer Stellungnahme der AG, die vor der Sitzung an die Politikerinnen und Politiker verteilt wurde.
In Niedersachsen soll der Rettungsdienst laut Verordnung bei mindestens 95 Prozent der Einsätze innerhalb von 15 Minuten am Ort des Geschehens sein. Diese Vorgabe für die sogenannte Hilfsfrist wird im Kreis Hildesheim aber bereits derzeit nicht eingehalten. Sie würde nach dem aktuellen Entwurf für den Bedarfsplan sogar noch weiter sinken – von 92,6 auf 92,1 Prozent.
Schlechter Wert für Alfeld
Werte für die einzelnen Kommunen hat die Kreisverwaltung nicht veröffentlicht. Nach Berechnungen der AG Rettungsdienst liegt der Wert aber in etwa zehn Gemeinden „weit unter 80 Prozent“. In Alfeld wären die Einsatzkräfte demnach durchschnittlich nur zu 77,8 Prozent innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort.
Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst des Landkreises, Professor Georg von Knobelsdorff, wies in der Sitzung allerdings darauf hin, dass die Eintreffzeit von 15 Minuten aus medizinischer Sicht gar nicht so entscheidend sei. So sei bei einigen Vorfällen wie einem Herzkreislaufstillstand oder einem Unfall mit Aussetzen der Atmung der Zustand bereits ab drei Minuten kritisch. Bis dahin könne der Rettungsdienst sowieso nicht da sein. Bei den meisten anderen Erkrankungen oder Verletzungen hingegen sei deutlich mehr Zeit verfügbar, bevor es kritisch werde.
