Disco in Alfeld

Seit 25 Jahren macht er Musik im Alfelder Sound: Zwei Songs, die für DJ TomTom immer dabei sein müssen

Alfeld - DJ TomTom legt seit Tag eins in der Alfelder Disco Sound auf. Seit dem hat er einiges erlebt, Heiratsanträge anmoderiert und Weihnachtspartys gerockt. An einem Abend bekam er allerdings ungewöhnliche Konkurrenz.

Als DJ TomTom sorgt der gebürtige Kaierder Thomas Wolff seit 25 Jahren in der Alfelder Disco Sound für gute Musik und Partystimmung. Foto: privat

Alfeld - Als junger Erwachsener hat er noch massenweise Vinylplatten gekauft und unzählige Scheiben mit zu seinen Auftritten genommen. Heute klemmt Thomas Wolff, besser bekannt als DJ TomTom, sich den Laptop unter den Arm, wenn er sich auf den Weg zur Arbeit macht. Seit der Eröffnung des Sounds vor mittlerweile 25 Jahren, legt der gebürtige Kaierder regelmäßig in der Alfelder Disco auf. Er verrät, welche Songs bis heute in seiner Playlist sind – und warum das Sound für ihn ein ganz besonderer Ort zum Auflegen ist.

Seit 33 Jahren sorgt er für gute Musik und Stimmung

„Als ich 15 Jahre alt war, war ich bei Schuppmann in der Tanzschule. Einmal im Monat gab es eine Tanzparty. Eines Abends hat mir einer der Tanzlehrer nicht nur gezeigt, wie man tanzt, sondern auch, wie man Musik auflegt“, erinnert sich der heute 48-Jährige. Die Karriere des Alfelder Resident-DJs, gemeint ist ein DJ, der regelmäßig in einem bestimmten Lokal auflegt, begann also weit vor der Eröffnung der Disco. Mit 16 Jahren war er bereits der Ersatz-DJ im Easy – so hieß die Alfelder Disco unter ihrem ersten Betreiber. „Die Gäste hatten ihren Spaß und seitdem lege ich bei Partys, verschiedenen Discos und Hochzeiten auf“, sagt er.

Ist Wolff nicht gerade als DJ TomTom unterwegs, arbeitet er als Speditionskaufmann. Er hat einen 11-jährigen Sohn und lebt mittlerweile in Großburgwedel. Es sei nie sein Ziel gewesen, der nächste David Guetta zu werden und eigene Musik zu produzieren. „Für mich ist es ein Ausgleich zum Alltag. Es ist eine Win-win-Situation, ich verdiene mir Geld dazu, und treffe gleichzeitig meine Freunde“, so Wolff. 2008 überlegte er aber doch kurz, sich beruflich umzuorientieren. Unter anderem mit Sound-Besitzer Andreas Franke eröffnete er in Hildesheim das 360 Grad. In der Disco war er zwei Jahre lang der Gesellschafter. Irgendwann sei es ihm allerdings mit Familie und Hauptberuf zu viel geworden und er zog sich aus dem Geschäft zurück.

So manch einen Song spielt TomTom nicht

Doch seine Auftritte als DJ TomTom blieben. Bei zahlreichen Ü30-Partys, Hochzeiten und Partynächten heizte er den Gästen in den vergangenen 33 Jahren ein. Und obwohl er an vielen Orten auflegte, bleibt die Alfelder Disco einer seiner Lieblingsplätze – um aufzulegen und privat zu feiern. „Ich bin hier schon so lange, dass es sich anfühlt, als würde ich in meinem Wohnzimmer auflegen.“ Das Besondere für ihn am Sound: „Selbst wenn mal nur 50 Partygäste da sind, herrscht hier eine ganz besondere Stimmung.“

Zu den Liedern, die er bis heute spielt, gehören „Narcotic“ von Liquido. Und „Mr. Brightside“ von The Killers – ein Gute-Laune-Song, der Menschen jeglichen Alters zum Mitsingen bringt. Ansonsten legt er von aktuellen Hits, Schlager, Oldies bis Rock viel Verschiedenes auf. Als DJ sei er Dienstleister und müsse sich nach den Musikwünschen der Gäste richten. Aber er setzt eine klare Grenze: „Gewaltverherrlichende Lieder aus der Deutschrap-Szene spiele ich nicht.“

Es gehört mehr zum Job, als Musik abzuspielen

In den 25 Jahren im Sound hat Wolff so einiges erlebt. Was ihm besonders im Gedächtnis bleibt, sind die Partys an Heiligabend: „Viele gebürtige Alfelder besuchen an den Feiertagen ihre Familien, und schauen dann abends nochmal im Sound vorbei. Es ist immer wie ein großes Wiedersehen.“ Wolff hat in den Jahren aber auch einige Heiratsanträge anmoderiert – und bei sogenannten Crazy-Nights, Drinks ausgeschenkt, statt Musik zu spielen.

Die DJ-Szene hat sich seit Anfang der 1990er-Jahre stark verändert. Ein Hit jagt den anderen und statt Vinylplatten reicht ein Laptop, um aufzulegen. „Heute kann jeder mit einem Laptop sagen, er ist DJ. Aber so einfach ist es nicht“, meint Wolff. Es komme nicht nur auf gute Lieder, sondern auch darauf an, gut moderieren zu können und die Leute abzuholen. Und ans Aufhören denkt Wolff noch lange nicht: „Ich will noch lange nicht als DJ in Rente gehen.“

Einen Abend lang legte ein Realschullehrer im Sound auf

Er hat zwar keine langjährige DJ-Erfahrung, aber ein ehemaliger Realschullehrer aus Delligsen hat 2008 zumindest eine Nacht im Sound aufgelegt. Nach dem Abschlussball der Realschüler machten Deutschlehrer Siegfried Kraft und seine Kollegen nachts um 2 Uhr noch einen Abstecher ins Sound. Kraft beschloss kurzerhand, den Disco-Betreiber Andreas Franke zu fragen, ob er sich nicht auch einmal hinter das DJ-Pult stellen darf, um für Stimmung zu sorgen. „Die zwei DJs wollten mich nur widerwillig ans Mikro lassen“, gibt der heute 74-Jährige zu.

Doch sein Auftritt sei so gut angekommen, dass Franke ihn für weitere Abende engagieren wollte. Aber Kraft wollte, dass es etwas Einmaliges bleibt. An dem Abend habe sich der damals 57-Jährige wieder jung gefühlt – mit seinen Kollegen sogar in einem der Tanzkäfige performt. „Ich finde es sehr wichtig, dass es in Alfeld eine Disco gibt. Es ist ein Ort, an dem sich Jugendliche treffen und soziale Kontakte knüpfen können“, sagt Kraft – und hofft, dass das Sound noch viele weitere Jahre bestehen bleibt.

Die Geschichten der Soundgäste

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